Selektivverträge und die Telematikinfrastruktur

25. Januar 2019

Seit dem 1. Januar 2019 ist die Verwendung der Telematikinfrastruktur (TI) bundesweit für alle Vertragsärzte und Psychotherapeuten gemäß dem sogenannten E-Health-Gesetz verpflichtend. Die hiermit verbundenen technischen Verwendungsmöglichkeiten werden schrittweise ausgerollt.

Da die Selektivvertragsversorgung (alle Haus- und Facharztverträge gemäß §§ 73b und 140a SGB V) zunächst nicht in die TI-Umgebung integrierbar ist, stellt sich die Frage, wie eine reibungslose Umsetzung in der Arztpraxis möglich bzw. sinnvoll ist.

Zunächst möchten wir auf das Fachportal der GEMATIK hinweisen. Dort stellen die Kollegen der Gematik umfangreiches Informationsmaterial und eine passende Checkliste für den Umstieg bereit. In dem „Informationsblatt Anschluss einer medizinischer Einrichtung“ werden drei grundsätzliche Betriebsarten vorgeschlagen: Reihenbetrieb, Parallelbetrieb und die Netztrennung.

Reihenbetrieb

Im Reihenbetrieb läuft der gesamte Datenaustausch einer Praxis über den zu installierenden TI-Konnektor. Entsprechend bietet dieses Vorgehen den höchsten Schutz für eine Praxis. Allerdings müssen dafür alle Geräte eines Praxisnetzwerks entsprechend (neu) konfiguriert werden.

Für die Abwicklung der Selektivvertragsversorgung wie auch für alle sonstigen Applikationen, die eine herkömmliche Internetverbindung benötigen, verlangt der Reihenbetrieb jedoch die Anbindung an den meist kostenpflichtigen sogenannten Secure Internet Service (SIS). Dieser zusätzliche Service wird von den jeweiligen Herstellern/Systempartnern der TI-Konnektoren ebenfalls angeboten. Da die Angebote zu SIS bezüglich Internetdatenvolumen bzw. der monatlich anfallenden Kosten sehr unterschiedlich sind, ist es ratsam die bestehenden Angebote genau zu prüfen und mit den individuellen Anforderungen der Praxis zu vergleichen.

Reihenbetrieb der TI in der Praxis
Reihenbetrieb der TI in der Praxis

Parallelbetrieb

Im Parallelbetrieb wird der TI-Konnektor lediglich als zusätzliche Netzwerkkomponente in das bestehende Netzwerk integriert. Die bestehende Konfiguration kann weiterverwendet werden und nur der Datenaustausch für die Regelversorgung erfolgt über den TI-Konnektor. Für die Abwicklung der Selektivvertragsversorgung wie auch für alle sonstigen Applikationen die eine herkömmliche Internetverbindung benötigen, muss nichts geändert werden.

Der Parallelbetrieb ist deutlich flexibler, einfacher und damit auch günstiger zu etablieren als der Reihenbetrieb. Entsprechend erfolgen nach unseren Informationen nahezu alle aktuell durchgeführten Installationen nach diesem Muster.

Jedoch verzichtet man bei dieser Konfiguration auf die Firewall-Funktion des Konnektors. Entsprechend muss das Praxisnetzwerk weiterhin durch eine entsprechende Firewall oder adäquate Maßnahmen geschützt werden. Diese Möglichkeit kommt daher eher für größere bzw. etablierte Praxen in Frage.

Parallelbetrieb der TI in der Praxis
Parallelbetrieb der TI in der Praxis

Netztrennung

Die Netztrennung stellt eine Erweiterung des Reihenbetriebs dar. Im Grunde ermöglicht das zweite LAN eine separate Anbindung an das Internet – man kann quasi Internetarbeitsplätze von der eigentlichen Praxisinfrastruktur trennen.

Netztrennung:  TI und Internetzugang getrennt in der Praxis

Netztrennung: TI und Internetzugang getrennt in der Praxis

Allerdings stellt sich dann im Praxisalltag genau hier die Frage welche Anwendungen überhaupt sinnvoll abtrennbar sind? Und immer dann, wenn man Zugriff auf das zentrale Praxisverwaltungssystem (PVS) benötigt, ist man wieder in der Zwickmühle. Deshalb sollte die genaue Prüfung und Abwägung des Einzelfalls einem Experten vorbehalten bleiben.

Abschließend noch ein Hinweis. Technisch wäre es auch denkbar den PVS-Server mit 2 Netzwerkkarten auszustatten und die oben grün markierte Kommunikation durch das LAN2 laufen zu lassen. Unter der Annahme, dass LAN2 eine eher schlecht geschützte Zone für das Internetsurfen darstellen soll, ist das aber eine denkbar schlechte Idee.

Fazit

Grundsätzlich müssen alle Arzt- bzw. Psychotherapiepraxen, unabhängig ihrer Internetanbindung, stets die Wahrscheinlichkeit, dass personenbezogene Daten den Kreis der Befugten verlassen, bestmöglich minimieren. Hierzu haben die KBV und die BÄK bereits umfangreiche Informationen veröffentlicht.

Auch müssen bei der Entscheidung zu einer der o. g. Möglichkeiten zur technischen Umsetzung der Selektivverträge im Rahmen der Telematikinfrastruktur immer die relevanten Details der Praxisstruktur und auch die damit verbundenen IT-Lösung individuell berücksichtigt werden.

Aktuell scheint sich der Markt aber ganz klar für die Option Parallelbetrieb zu entscheiden.

Beta-Anforderungskatalog für das 2. Quartal 2019 Anforderungskatalog selektivvertragliche Verwaltungssysteme für das 2. Quartal 2019
Über den Autor
Thomas Hartung

Thomas Hartung

Geschäftsführer

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